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Wie finde ich eine(n) gute(n) Psychotherapeut(in)?

Oder: Kann ich herausfinden, wer bestimmt hilft?

Wenn vergleichende Therapieforschung keine sicheren Hinweise auf die optimale Psychotherapieform geben kann - welche Orientierungsmöglichkeiten hat jemand, der eine Psychotherapie aufsuchen möchte? Hierzu einige Ideen, welche Fragen ich mir als Patient/Klient stellen würde und nach eigener Erfahrung als Klient wie als Therapeut für sinnvoll halte . Diese Fragen können helfen, die Vielfalt des Angebots zu ordnen und Orientierungshilfen beim Finden einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten geben.

Vor und in einem Erstgespräch:

Habe ich ein besonderes Interesse für eine bestimmte Form von Psychotherapie? (Dann ist es wahrscheinlich, daß ich von dieser Form auch profitieren kann.)

Welche Empfehlungen geben mein Hausarzt, Freunde und Bekannte?

Welches Psychotherapieangebote in Beratungsstellen gemeinnütziger Träger (von Caritas bis Pro familia) könnte ich nutzen?

Welche Empfehlungen gibt die Krankenkasse?

Die Krankenkasse verfügt über Listen mit ärztlichen Psychotherapeuten oder Diplom-Psychologen im Delegationsverfahren. Bei Psychologen, die nicht in dieser Liste stehen, ist im Einzelfall mit der Krankenkasse eine Kostenübernahme abzuklären.

Welche Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten finde ich in den "Gelben Seiten"?

Erfüllt der Psychotherapeut/ die Psychotherapeutin die gesetzlichen Voraussetzungen zur Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten? (kann beim Gesundheitsamt erfragt werden)

Welche akademische Ausbildung hat sie/er?

Die Psychotherapieforschung zeigt keine markanten Unterschiede zwischen Ärzten, Psychologen und Sozialarbeitern, die beispielsweise in den USA wachsende Anteil an der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung haben. Eine akademische Ausbildung ist Voraussetzung vieler psychotherapeutischer Ausbildungsgänge und von daher ein gewisses Gütemerkmal.

Betreibt sie /er Werbemaßnahmen in Medien? (sind in Deutschland illegal ; weist möglicherweise auf fragwürdigere Methoden hin)

Macht er/sie auf dem Praxisschild oder in den "Gelben Seiten" lange Angaben über sehr unterschiedliche Tätigkeitsbereiche (wie Graphologie, Führerscheinnachschulung etc.) und dann erst kommt Psychotherapie ?

Nach dem Erstkontakt:

Hat sie / er psychotherapeutische Ausbildung absolviert oder befindet sie sich darin?

Ich würde mir im Erstgespräch erklären lassen, worauf in dieser Ausbildung besonders Wert gelegt wurde, und mich prüfen, ob diese Schwerpunktsetzung für mich positiv ist. Kennt mein Gegenüber seine Fähigkeiten? Wird mir plausibel, wie diese Fähigkeiten in der Arbeit mit mir sich auswirken?

Hat sie / er regelmäßige Supervision?

Regelmäßige Supervision - das heißt Praxisberatung, Fallbesprechung, Prüfung der Therapieplanung und des Therapiefortschritts durch erfahrene Kolleginnen oder Kollegen - ist auch für sehr erfahrene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wichtig und wünschenswert. Das heißt nicht, daß mein Gegenüber gerade meine Situation in der Supervision besprechen muß, sondern einfach, daß die Arbeit meines Gegenübers regelmäßig fachlich angeschaut wird.

Hat sie/er mir bewußt Raum gegeben für meine Fragen ? Wie reagiert sie/er auf Fragen zu diesen Dingen?

Es ist völlig angemessen, sich als Klient zu diesen Fragen kundig zu machen, und zuverlässige Therapeutinnen werden für solche Fragen offen sein; sie werden sich vielleicht dafür interessieren, warum ich als Klient solche Fragen stelle, aber bemüht sein, mir klare Auskunft zu geben. Ist mein Gegenüber ungehalten und ablehnend gegenüber meinen Fragen, sollte ich die Zusammenarbeit nicht fortsetzen.

Wie klar erlebte ich die Antworten auf meine Fragen an die Therapeutin?

Wurde eine Vereinbarung über Ziele und Art der Zielerreichung getroffen? Nimmt mein Gegenüber mich als Partner im Therapieprozeß wahr?

Sieht er/sie mich als gleichberechtigten Vertragspartner bei der Klärung des Vorgehens und der Ziele?

Hat die Psychotherapeutin meine Wünsche und Veränderungsziele ernstgenommen?

Fühle ich mich im Kontakt mit meinem Gegenüber wohl? Erleichtert mir der Kontakt mit meinem Gegenüber, mich offen zu äußern?

Dies ist vielleicht das wichtigste Merkmal. Wenn mir mein Gegenüber "irgendwie unangenehm" ist, sollte ich das bald zur Sprache bringen. Wenn sich dadurch nichts an diesem Unwohlsein verändert, sollte ich keine weiteren Termine mit der Psychotherapeutin/dem Psychotherapeuten vereinbaren.

Zusätzlich nach den ersten Sitzungen

Hat sie/er meine Situation wirklich kennengelernt oder sich nur für Teilbereiche interessiert, die mir gar nicht so wichtig sind?

Nimmt der Therapeut/die Therapeutin die Gesprächsatmosphäre wahr und kann sie darauf eingehen?

Nimmt sie / er unvorhergesehene Ereignisse in der Therapie als Chance und wichtige Informationen auf oder reagiert sie darauf gereizt und unwirsch?

Erlebe ich durch die psychotherapeutischen Kontakte bereits eine gewisse Entlastung von Symptomen, einen Zuwachs an Hoffnung und Zuversicht?

Die letztgenannten Hinweise ermutigen zum Ernstnehmen von auftauchenden Schwierigkeiten; sie sind natürlich nicht gedacht als Checkliste, die bei jedem Kontakt durchzugehen und etwa anzukreuzen wäre. Dies würde aus meiner Sicht die Begegnung zu einer TÜV-Inspektion denaturieren.

Vielleicht ist es bei der Wahl eines Psychotherapeuten gar nicht anders als bei der Auswahl eines Zahnarztes: Es gibt keine Labels, die absolute Sicherheit geben, und man ist auf den Rat von Freunden und persönliche Erfahrung angewiesen. Weitergehende Beurteilungen von Berufsgruppen (Ärzte, Sozialarbeiter, Psychologen) und von einzelnen Psychotherapieformen sind vielleicht politisch wohlplaziert, rhetorisch passend - aber voreilig und irreführend.

Quelle:

Eberhard Schneider
Wer bestimmt, was hilft?
Über die neue Zahlengläubigkeit in der Therapieforschung - 
Eine Streitschrift
Junfermann-Verlag Paderborn 1996, 181 S.
  • WEITERE INFORMATIONEN:
  • Eine sehr informative Übersicht mit weiteren Adressen und wertvollen
  • Infos bietet Paul Hiss:
  • http://www.lake.de/forum/sonst/psi/Psychotherapie.html
  • Richard Fellner hat gute Hinweise und Informationen speziell auch für die Situation in Österreich zusammengestellt: http://www.Psychotherapiepraxis.at
  • Für Informationen über psychologische Psychotherapeuten in Deutschland:
  • PID Informationsdienst des BDP / Datenbank (psychologische) Psychotherapeuten: Tel. 0228-746699 :
    Diplom-Psychologinnen beraten Sie telefonisch und erstellen anhand der gewünschten bzw. in der Telefonberatung entwickelten Kriterien eine Liste der möglichen Behandlungsangebote in der Region und senden Ihnen diese zu.

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